Das gesamte Wirken eines Pflegedienstes bzw. einer Pflegeeinrichtung, bedarf freilich einer permanenten Beobachtung und qualifizierten in- und externen Begutachtung und wie gut, dass es den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), in diesem Fall Rheinland Pfalz, gibt.
Doch nun sollte dem - von Kassen auf den Weg gebrachten - (Kontroll-) Dienst einfach mal geholfen werden! Ist doch unbestritten alles Neue, wie das erstaunliche Pflegenotensystem, verbesserungswürdig, oder? Fehleinschätzungen, Ungerechtigkeiten oder Zerrbilder mag doch bestimmt keiner, schon garnicht der MDK mit seinen bemühten und anerkennenswert eifrigen Mitarbeitern...
Dass der MDK Rheinland-Pfalz nun in wissenschaftliche Kooperation u.a. mit dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) eintritt, um die Umsetzung der ambulanten Pflegetransparenz endlich sogar wissenschaftlich untersuchen zu lassen, ist einerseits sehr lobenswert weil wohl notwendig, andererseits für bereits benotete Pflegedienste, wie wir es sind, ein Zuspätkommender Trost.
Nicht nur Betroffene fragen sich, warum schulnotenähnliche Zensuren zwar reglementarisch verteilt und schaukastenähnlich ins Internet gestellt werden, anstatt zuerst auf den Prüfstand zu kommen. Hinzu kommt, was wir erleben mussten, dass von einer Stunde auf die andere sich avisiert und dann in beeindruckender Teamstärke angetreten wurde. Was man jedem Schulkind zugesteht: sich personell und unterlagenmäßig in Ruhe und Sorgfalt auf eine Prüfung vorbereiten zu dürfen, muß zwangsläufig bei solch Überraschungsbesuch in Hektik, hastiger Umorganisa-tion (interessiert es denn garnicht, ob die kompetenten Leute anwesend und alle Unterlagen im Hause sind?) und einer verständlichen Aufregung (jedem Dienst eilt ein megaaktivierender Ruf voraus) übergehen; da kann der Pflegedienst noch so in Ordnung sein - "man" will ja gut dastehen!
Wen also wundert's, dass sogar "auf Bundesebene eine wissenschaftliche Uberprüfung zu der Frage noch aussteht, ob die sich aus dem Verfahren (des MDK) ergebenden Pflegenoten tatsächlich die Qualität der geprüften Pfle-geeinrichtungen abbilden."
Es ist grundsätzlich positiv, wenn einzelne Mängel oder Fehler erkannt werden und zu einer Aufarbeitung kommen. Unserer Sozialstation jedenfalls bildet sich da über ein akribisches Management weiter und ist nicht nur um Qualitätssicherung, sondern ganzjährig um Qualitätsverbesserung bemüht! Und doch sind wir Betroffene eines wissenschaftlich ungesicherten Verfahrens und leiden unter der Frage "ob das Verfahren präzise genug definiert ist, um sonstige Einflüsse der Notenvergabe auszuschließen." (CAREkonkret Nr.2//15.1.2010)
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein Regentropfen ist noch kein Unwetter. Es wäre überaus traurig, wenn auch nur ein Pflegedienst um seine Existenz bangen müsste, nur weil eine Momentaufnahme wie ein ganzer Film der Öffentlichkeit offeriert wird. Da könnte sich womöglich und ungewollt so etwas wie "ethischer Relativismus" einschleichen: Das Gute wird für schlecht erachtet und umgekehrt.. "Kein noch so ausgeklügeltes Zahlen- und Fragen werk vermag wirklich zu authentifizieren, was an altei und krankei Mitmenschen tagtäglich an Können, Humanität, Geduld und Gefühl durch die Schwestern und Pfleger vermittelt wird. Das ist die Grux!", so die kfm. Leiterin der Pflegedienste, Sylvia Krause. Schließlich muß es nachdenklich stimmen, dass bereits kurz nach Einführung der Pflegebenotung überprüft wird "ob die Systematik der Pflegenoten eventuell auch kurzfristig nachjustiert werden muss oder nicht." (CAREkonkret Nr.1// 8.1.2010)